Warum Windows Vista ein Flop war – die ganze Wahrheit!

Windows Vista war ein Flop. Punkt. Warum das so war? Davon möge sich der geneigte Leser beim Studieren der folgenden Zeilen selbst ein Bild machen. Also fertigmachen zum Zeitsprung ins Jahr 2007!

vista-logoAm 30. Januar 2007 kam wieder einmal eine neue Betriebssystem-Segnung von Microsoft in die Läden: Windows Vista. Nachdem schon ab November 2006 die Geschäftskunden in den Genuss von Vista kamen, sollte der geneigte Computer-Nutzer davon ausgehen können, dass Ende Januar Treiber und Software mehr oder weniger stabil laufen. Doch weit gefehlt: Von der Grafikkarte bis zum Bildanzeige-Programm gab und gibt es diverse Hard- und Software, die Zicken macht. Doch das hält mich als bekennender Computer-Masochist natürlich nicht davon ab, mein stabiles XP-System zu formatieren und stattdessen Vista auf meine Maschine zu installieren.

Und damit ihr an meinen Qualen – und kleinen Erfolgen – teilhaben könnt, gibt es an dieser Stelle mein ultimatives Windows-Vista-Installations-Tagebuch.

Tag 1: Ich lade mir von der Microsoft Homepage den Windows Vista Upgrade Advisor (Klick) herunter. Nach der Installation und ein wenig Gerödel sagt mir das Programm, dass einem erfolgreichen Update nichts im Weg steht. Nur einige Programme (unter anderem mein Brennprogramm und der Virenscanner) sollen nicht mehr funktionieren. Schnell checke ich die Webseiten der Hersteller und stelle fest, dass dort bereits Updates bereitstehen. Mit wohligen Gedanken an ein problemloses Update gehe ich schlafen.

Tag 2: Ich besuche den „Elektronik-Discounter“ meines Vertrauens und erwerbe dort von einem leicht irritierten aber sehr zuvorkommenden Angestellten eine System Builder Version von Vista Home Premium. Die gibt’s auch ohne neuen PC und hat gegenüber der regulären Update-Box eigentlich nur Vorteile. Unter anderem ist sie rund 70 Euro billiger und ermöglicht wahlweise ein Update oder eine komplette Neuinstallation. Glücklich fahre ich nach Hause und beschließe, die Installation am nächsten Tag zu beginnen.

Tag 3: Ab heute habe ich Urlaub! Optimale Voraussetzungen, um Vista zu installieren. Ich melde mich bei meiner Freundin für die nächsten Tage ab und beginne mit der Installation aus meinem laufenden Windows XP heraus. Es ist früher Nachmittag.

Tag 3, Nachtrag 1: Seit rund einer Stunde kopiert und entpackt Vista fleißig Dateien und startet den Rechner neu. Doch jetzt hängt irgendwas. Das Setup hat den Rechner außerplanmäßig neu gestartet und rödelt nun weiter. Zehn Minuten später finde ich mich in meiner altbekannten XP-Umgebung wieder. Ein kleines Fenster weist mich freundlich darauf hin, dass der Update-Vorgang gescheitert ist und das alte System wieder hergestellt wurde. Draußen dämmert es.

Tag 3, Nachtrag 2: Auch das Entfernen sämtlicher USB-Geräte hilft nichts. Vista verweigert hartnäckig die Installation und stürzt reproduzierbar ab. Wenigstens wird XP immer wieder problemlos hergestellt. Es ist jetzt vier Uhr Nachts und ich beschließe leicht genervt, es für heute aufzugeben.

Tag 4: Schöner kann Urlaub nicht sein! Vista weigert sich immer noch standhaft, seine Installation abzuschließen. Dabei habe ich es jetzt schon auf einer komplett leeren Festplatte versucht. Irgendeine Gehirnzelle sagt mir, dass ich mal die Grafikkarte wechseln sollte. Gut, dass ich noch ein älteres Modell in der Schublade liegen habe. Also unter den Schreibtisch gekrabbelt, Rechnergehäuse auf, neue Grafikkarte ausgeschraubt, die drei Jahre alte Karte eingebaut – und schon läuft die Installation friedlich bis zum Schluss. Jetzt hab ich nur noch ein Problem… Was mache ich mit der neuen Grafikkarte? Egal. Für heute mache ich Schluss und beschließe, „Deutschland sucht den Superstar“ zu schauen – genau das Richtige, um das Gehirn mal für ein paar Stunden abzuschalten.

Tag 5: Das gestrige Abschalten hat sich bezahlt gemacht, denn eine weitere meiner Gehirnzellen meldet sich und hat die Idee, die neue Grafikkarte wieder zu installieren. Diesmal starte ich im „abgesicherten Modus“, bei dem nur die nötigsten Teile des Systems geladen werden, und der Rechner fährt fehlerfrei hoch. Nach mehreren Treiber-Installationen, Abstürzen und Wutausbrüchen startet Vista nun auch regulär mit der neuen Grafikkarte. So kann ich endlich die schicke neue Windows-Oberfläche „Aero“ genießen.

Tag 5, Nachtrag 1: Uii, wie hübsch das alles aussieht! Die Fenster sind fein transparent, Animationen hier, Animationen da und das alles sogar in akzeptabler Geschwindigkeit. Aber erstmal muss ich die wichtigsten Programme wieder installieren. Nero 7 läuft, NOD32 läuft, Office läuft, Corel auch – aber AcdSee Pro nicht. Und was muss ich auf deren Homepage lesen: Updates für Vista sind geplant, aber wann weiß keiner. Naja, es gibt ja die tolle neue Windows Fotogalerie. Aber die teste ich morgen. Draußen ist es schon wieder dunkel und ich habe Hunger!

Tag 6: Meine Fotos sind alle gelb! Zumindest in der Fotogalerie. Nach mehrstündigem Rumprobieren finde ich raus, dass es am neuen Windows-Farbmanagement liegt. Das soll eigentlich dafür sorgen, dass Bilder auf dem Bildschirm genauso aussehen wie auf dem Drucker. Aber mein Drucker druckt gar nicht so gelb… Nach einer weiteren mehrstündigen, aber diesmal ergebnislosen Internet-Suche lösche ich das Farbprofil für meinen Monitor komplett, und schon erstrahlen die Fotos wieder in altem Glanz. Witzig ist übrigens, dass alle anderen Anwendungen auch mit aktivem Farbprofil die korrekten Farben gezeigt haben…

Tag 7: Uii, wie schnell das hier alles ist! Ich habs ja nicht für möglich gehalten, aber dieses „Ready Boost“, das USB-Sticks als Zwischenspeicher für das Laden von Daten und Programmen nutzt, bringt richtig was. Nur dummerweise schaltet sich die Funktion immer mal wieder aus. Der Zugriff auf verschiedene USB-Sticks läuft zum Teil mehr als holprig, kopieren dauert teilweise mehr als dreimal so lange wie unter XP. Da helfen auch die neusten Intel Chipsatztreiber nicht weiter. Das Internet und ich sind ratlos.

Tag 8: Nachdem das System jetzt so halbwegs rund läuft, beschließe ich, ein Spiel zu testen. Half Life 2 lässt sich auch problemlos installieren und starten. Allerdings gibt es ein Problem: Ich habe keinen Ton. Ein Blick in den Gerätemanager schafft Klarheit: Meine Soundblaster Audigy hat noch keinen Treiber. Also flugs die Vista-Beta(!)-Treiber von Creative runtergeladen. Nach der Installation sind meine Boxen zwar immer noch stumm, aber dafür tönt mein Kopfhörer. Eine weitere mehrstündige und äußerst kurzweilige Internet-Recherche ergibt, dass Creative unfähig st, funktionierende Vista-Treiber für die Audigy zu programmieren. Und so bleibt der digitale Ausgang, an dem die Surround-Anlage hängt, stumm. Im Stillen kommen mir langsam Zweifel, ob die Vista-Installation eine gute Idee war. Ich entschließe mich genervt zu einer pragmatischen Lösung: Audigy raus, Realtek-Onboard-Sound an, und schön tönt auch meine Anlage wieder digital. Doch für heute habe ich genug. Leider sind die „Superstars“ schon vorbei, denn wie ich entsetzt feststelle, ist es schon wieder kurz nach 4 Uhr morgens.

Tag 9: Ich rufe meine Freundin an und sage ihr, dass ich noch lebe. Doch Zeit habe ich leider keine, denn mein Computer entschließt sich spontan, nicht mehr zu starten. Direkt nach dem Vista-Anmeldebildschirm folgt ein schnöder Absturz. Eine Datei namens „amon.sys“ ist der Übeltäter, das sagt zumindest der blaue Bildschirm, den Vista noch ausgibt, bevor es sich Sekundenbruchteile später verabschiedet. Glücklicherweise funktioniert auch hier der abgesicherte Modus noch. Kaum gestartet, hat Vista auch schon gemerkt, dass es irgendwie abgestürzt ist, und bietet eine Internet-Problemlösungssuche an. Nach 20 Sekunden ein Lösungsvorschlag: Der Grafikkarten-Treiber ist schuld. Aha. Das hätte mir das Ding mal vor ein paar Tagen sagen sollen. Jetzt beschließe ich hingegen, das Antivirenprogramm zu deinstallieren. Denn das hat eine Komponente, die Amon heißt. Und siehe da: Der Rechner fährt normal hoch. Nach einer Neuinstallation desselben (!) Virenscanners klappt wieder alles wie es sich gehört… Da soll einer draus schlau werden.